Sozialer Reichtum: Das neue Gesicht des Kapitalismus?

“Der neue Schauplatz des Kapitalismus ist das Soziale selber.”

Aus einem Interview mit dem Berliner Medienphilosophen Norbert Bolz (
von Patrick Schenck, Trendbüro, Hamburg, vom 25.01.2009)


Zwei Auszüge aus dem Interview, in dem Norbert Bolz bereits 2009 eine neue „Ethik des Sozialen“ aufzeigt und warum sich Soziales und Wirtschaft nicht ausschließen.  

Wie definieren Sie sozialen Reichtum?
Sozialer Reichtum heißt für mich vor allen Dingen, dass an die Stelle der Produktion, die für die Gründergeneration nach dem zweiten Weltkrieg die Wirklichkeit bestimmte und an die Stelle des Konsums, der die Wirklichkeit der Baby-Boomer Generation bestimmt hat, jetzt die Kommunikation tritt. Deshalb haben wir es auch mit einer neuen Generation zu tun, die man vielleicht als „Generation We“ bezeichnen könnte. So wie die Gründergeneration eine Ethik der Pflicht, und die Baby-Boomer Generation eine Ethik der Selbstverwirklichung hatte, so gehe ich davon aus, dass diese neue Generation We eine Ethik des Sozialen gewinnt. Ein Beispiel: Wenn man heute Profit machen möchte als Unternehmen, geht das nur noch, wenn man durch die Pforte eines Non-Profit Angebots hindurchgeht. Non-Profit ist nicht länger einfach das Gegenteil von Profit. Auf der Seite des Konsumenten ist das ähnlich. Es gibt keine Abwendung vom Konsum, aber der Konsum versteht sich zunehmend selbst als ethisch und als sozial verantwortlich. Man signalisiert mit den Konsumentscheidungen auf dem Markt auch so etwas wie Commitment, ethisches Bewusstsein, soziale Verantwortung. Hier entstehen neue Felder des Kapitalismus. Es wird nicht weniger konsumiert oder Geld verdient, sondern mit und durch andere Güter.


Steht sozialer Reichtum im Widerspruch zur Ökonomie?
Auf keinen Fall! Das Soziale ist kein Ornament am Rand des Wirtschaftsgeschehens, sondern es rückt ins Zentrum des Wirtschaftens selbst. Ich erinnere mich noch, wie früher über Kommunikation gesprochen wurde. Kein Mensch ist auf die Idee gekommen, dass Kommunikation im Zentrum der Produktivität selber steht. Heute ist das völlig anders. Ganz ähnliches wird passieren mit dem Sozialen. In vielen Ohren klingt es noch wie eine menschenfreundliche Zugabe. Das stimmt längst nicht mehr. Aus Sicht der Bürger ist es aber schon eine Grundbedingung für erfolgreiches Wirtschaften. Mit dem Sozialen wird es ähnlich kommen, wie mit der Umwelt. Ökonomie und Ökologie werden heute in allen intelligenten Konzepten zusammen gedacht. Ähnlich wird es mit dem Sozialen sein.

Das gesamte Interview gibt es hier im Trendbüro-Blog.

Meine Meinung dazu:  Was Norbert Bolz 2009 in diesem Interview skizzierte, beschreibt das, was Social Business bedeutet: die intelligente Verbindung einer „Ethik des Sozialen“ mit der Wirtschaft. Aus dem kapitalistischen Prinzip des „entweder-oder“ kann somit tatsächlich ein „sowohl-als auch“ entstehen. Womöglich sogar sozialer Reichtum als neues Gesicht des Kapitalismus.

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